SchlossDer zweigeschossige, barocke Rechtecksbau aus rötlichem Bruchstein wurde Ende des 17. Jahrhunderts von Daniel Ludolf von der Schulenburg erbaut. 1817 wurde auf der Parkseite ein klassizistischer Saal mit Wandpilastern und Girlandendekor in Stuck angebaut. Der östlich angefügte Treppenturm stammt von 1910/1920. Das Haus befindet sich inzwischen in Privatbesitz.
Kapelle
Westlich an das Haus angebaut ist die Kapelle von 1709. Statt des jetzigen viereckigen Dachreiters hatte die Kapelle einen Fachwerkturm mit Schweifdach. Über dem Eingang befindet sich die Stifterinschrift des Daniel Ludolf von der Schulenburg und der Johanna Susanna von Dieskau. Innen ist noch die originale barocke Ausstattung erhalten, insbesondere die Altarwand, in deren Zentrum sich ein konkav geschweifter, säulenflankierter Kanzelkorb mit den Wappenschildern des Daniel Ludolf von der Schulenburg und seiner beiden Ehefrauen Dorothea Lucia von Mandelsloh und Johanna Susanna von Dieskau befindet. Gegenüber war früher eine entsprechend gegliederte zweigeschossige Wand mit dem Patronatsstuhl und einem direktem Zugang zum Schloss. In seinen Erinnerungen "Besuche vor dem Untergang" erinnert sich Udo von Alvensleben an die Bodendorfer Kapelle: "Innen wirkt sie mit ihren korinthischen Säulen, marmorierten Schnitzereien und Logen wie ein frommes Hoftheater." Nach Osten ein 1903 gestiftetes Farbglasfenster mit Wappen des Leopold Graf von der Schulenburg und seiner Frau Marie geb. von Hymmen. Seit 2001 bemüht sich der "Förderverein Bodendorfer Kapelle" und die Dr. Ernst Ritter Stiftung um die Renovierung des vernachlässigten Gebäudes. (weitere Informationen: Pastorin Ingeborg Heidenreich, Tel. 03 90 58 - 23 53)
Küchenhaus
Östlich vom Schloss liegt das ehemalige Küchenhaus von 1815, das durch einen unterirdischen Gang mit dem Haupthaus verbunden ist. Hier findet man die Jahreszahl 1815 und den Namen des Erbauers, Leopold Graf und Ritter von der Schulenburg.
Gartenpavillon
Hinter dem Schloss liegt eine Parkanlage, die sich ursprünglich mit Schloss- und Mühlenteich bis in die "Bodendorfer Schweiz" erstreckte. In früheren Zeiten befanden sich hier ein Wasserfall und eine "romantische" Brücke aus der Biedermeierzeit. In die Parkmauer gebaut ist ein achteckiger Gartenpavillon mit offenem Dachstuhl und bunten Glasfenstern, datiert 1826. Zum Teich öffnet sich eine Terrasse mit biedermeierlichem Geländer. Dieses in seiner Art in Sachsen-Anhalt einmalige Gebäude wurde in den letzten Jahren mit Hilfe der Dr. Ernst Ritter Stiftung saniert. 2001 waren Teile des Daches und der Wände bereits eingestürzt.
Taubenhaus
Vor dem Schloss an der nach Westen verlaufenden Gutsmauer steht das quadratische Taubenhaus aus Feldsteinsockel, Fachwerkoberstock und Mansardenwalmdach von 1777.
Pforte und Pferdestall
An der Westecke der ehem. Gutsanlage findet man eine halbrunde zinnenbekrönte Mauer mit Pforte und dem Schulenburgischen Wappen. Von dort blickt man auf den ehemaligen Pferdestall.
Gärtnerei
Die ehemalige Gärtnerei befindet sich auf der Ostseite der Gutsanlage. Auf dem alten Stich von 1840 ist das Gebäude gut erkennbar (links an der Parkmauer zu sehen). Auch zu DDR-Zeiten befand sich dort eine Gärtnerei. Unter dem Putz versteckt sich immer noch das sehr alte Fachwerkgebäude.
Geschichtliches zu Bodendorf
Bodendorf, heute mit 150 Einwohnern eingemeindet zu Süplingen, ist eine sehr alte Siedlung. Münzfunde auf dem Schlossgelände aus der Zeit des byzantinischen Kaisers Anastasius (491 - 518) deuten auf alte Handelswege hin. Eine frühe Erwähnung geht auf das Jahr 995 zurück. Urkunden aus dem 12. und 13. Jahrhundert bezeugen, dass hier ein Castrum existierte. Die beiden Bodendorfer Stauteiche, der Schlossteich und der Mühlenteich, deuten möglicherweise auf eine Klostersiedlung hin. 1485 kam Bodendorf als Belehnung durch den Erzbischof Ernst von Magdeburg an das Geschlecht der Herren von der Schulenburg. Matthias III. von der Schulenburg (1488 - 1542) legte um 1530 ein Vorwerk an. Im Schloss erinnert heute noch Verschiedenes an diese Zeit. So sind massive Holzdecken, Kellergewölbe und der Sockel eines Treppenturms erhalten. Das Gebäude war damals wahrscheinlich nur 20 x 6 Meter groß, zweistöckig, mit einem Treppenturm auf der Parkseite und bildete zusammen mit dem heute noch dorfseitig angrenzenden Gemäuer eine typische Verteidigungsanlage der Zeit. Matthias III. zog nebst zwei Söhnen in den Türkenfeldzug und kam 1542 ums Leben. Bodendorf ging dann über Daniel I. (1538 - 1594) und Matthias V. (1578 - 1656) an Alexander III. (1616 - 1681), der wie sein Vater und Großvater auch Magdeburgischer Landrat war. Um 1698 erweiterte dessen Sohn, Daniel Ludolf von der Schulenburg (1667 - 1741), ebenso Magdeburgischer Landrat aber auch Braunschweig-Lüneburgischer Drost, das Vorwerk und ließ das heutige Schloss aus rotem Bruchstein bauen. Ein weiterer Landrat des Kreises Neuhaldensleben war Leopold Graf und Ritter von der Schulenburg (1769 - 1826), verheiratet mit Ernestine d'Orville Edle von Löwenklau. Das Interessante an Bodendorf ist die Tatsache, dass die ehemalige Gutsanlage auch heute noch teilweise erkennbar ist. So findet man im Dorf noch einige Arbeiterhäuser, das ehemalige, auch denkmalgeschützte alte Schulgebäude mit Anbau (einen Schulmeister gab es in Bodendorf schon ab 1711), die ehemalige Schmiede, alte Scheunen und immer wieder alte Mauereinfassungen. Bis zur Enteignung 1946 befand sich Schloss Bodendorf für über 450 Jahre durchgehend im Besitz der Familie von der Schulenburg und war Mittelpunkt eines Guts- und Forstbetriebes. Nach 1946 wurde das Haus als Alters- und Pflegeheim genutzt. Seit 1992 stand es leer und wurde erst im März 2001, inzwischen stark sanierungsbedürftig, von Nachfahren der ehemaligen Eigentümer erworben. Die Besitzer renovieren das Gebäude und planen, es für Veranstaltungen zu nutzen. |
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